Vor einigen Tagen ist in Koblenz ein kleiner Meteorit eingeschlagen, mit ziemlicher Geschwindigkeit, und die Nachricht davon hat sich fast genauso schnell in aller Welt verbreitet. Zum Glück ist kein Mensch zu Schaden gekommen, aber immerhin gibt es jetzt ein Loch in einem Dach irgendwo im Koblenzer Ortsteil Güls. Das war für den Meteoriten quasi Glück im Unglück. Wäre er nur wenige hundert Meter daneben in einer Wiese oder einem Waldstück gelandet, man hätte ihn vielleicht gar nicht entdeckt.

Jetzt, mit drei Tagen Abstand, dürfen wir etwas Licht in die Sache bringen. Der Meteorit ist nämlich nicht irgendwo gelandet, sondern eigentlich mit erstaunlicher Präzision in Koblenz. Leider hat er sein Ziel um etwa vier Kilometer verfehlt, was angesichts seiner weiten Reise über Millionen von Kilometern in der Tat vernachlässigt werden kann. Dennoch ist die Information wichtig, um die Bevölkerung zu beruhigen, deshalb hier dazu mehr.

Der Florinsmarkt, links Bürresheimer Hof mit der interstellaren Empfangsstation

Ausgangspunkt und eigentlicher Zielpunkt der Sache ist der Florinsmarkt in Koblenz. Hier befinden sich seit 2013 die ältesten Gebäuden der Stadt in einer großen Sanierung [1]. Eigentlich sollte ein Ort für Kultur und Wissenschaft entstehen. Das rein privat getragene Projekt ist viel teurer geworden als geplant, und finanzielle Unterstützung dafür gab es keine. Nach einer längeren Umplanung wird jetzt eine wirtschaftliche Nutzung umgesetzt [2].

Das Kulturamt der Stadt Koblenz hatte nun im letzten Jahr eine Idee, die Sache zumindest kulturell zu fördern: Man könne doch an der Ecke eines der Häuser, dem Bürresheimer Hof, ganz bescheiden einen Stromkasten bunt bemalen mit einem ebenfalls sehr bescheidenen Aufruf „VISIT KOBLENZ“, und dies mit einer verschlüsselten Botschaft ins All schicken, orbital, nein, interstellar an jedermann sozusagen. Von dort könnte ja möglicherweise doch eine Unterstützung kommen [3]. Das wurde tatsächlich umgesetzt mit Alexander ‘Moha‘ Heyduczek, einem regionalen Künstler, der schon mehrfach ähnliche Objekte in Koblenz verschönert hat. [4]

Martin Görlitz, Initiator des Projektes Florinsmarkt, war bei der Bemalungsaktion am Vormittag des 17.06.2025 (diese Information ist zur weiteren Aufklärung sehr wichtig) live dabei und kann bestätigen: Alexander Heyduczek hat seine Arbeit wirklich gut gemacht, denn er erweiterte den Text auf „Visit Kowelenz on Planet Earth“ – plus eine präzise Skizze mit Umlauf- und Einlaufbahn. Das genau machte den Unterschied. Diese entscheidende Information ist nicht viral, sondern instellar gegangen, und so machte sich unser kleiner Meteorit auf die Reise, ungefähr so wie einer der Heiligen Drei Könige, die ja auch eigentlich zu viert waren. Oder wie der kleine Prinz von Saint Exupéry.

Dieser Stromkasten am Bürresheimer Hof hat den Metoriten magisch angezogen

Das Startdatum 17.06.2025 ist also recht gut bekannt, abzüglich der Laufzeit der Information vom Koblenzer Stromkasten zum Startort plus örtliche Entscheidungsdauer. Da man die Flugzeit eines Meteoriten ja bestenfalls vom Eintritt in die Erdatmosphäre bis zum Aufschlag berechnen kann, wenn einige Messgrößen bekannt sind, ist dieses Datum von hoher Wichtigkeit. Allein mit Endgeschwindigkeit beim Aufschlag, Bremsung durch Atmosphäre und Abbremsprofil unter Berücksichtigung von Masse, Dichte, Form und Eintrittswinkel lässt sich eine numerische Ermittlung des Herkunftsortes sonst nicht durchführen. Soweit zur wissenschaftlichen Bedeutung dieses Beitrags.

Kurz vor dem Ziel wurde unserem kleinen Meteoriten allerdings klar, dass er gar nicht wusste, was die Aktion eigentlich bewirken sollte. Aufmerksamkeit? Schaden? Auf gar keinen Fall! Aber einfach aufgeben und unerkannt im Wald landen? Nein, das kam für den kleinen Meteoriten nicht in Frage. Und Umkehren war bekanntlich physikalisch unmöglich. So kam es in letzter Sekunde vor dem Einschlag am Florinsmarkt zu einer winzigen Kursänderung nur um ein Millionstel Winkelgrad, gerade ausreichend, um den Einschlagpunkt vom Florinsmarkt nach Güls zu verlegen.

Und so ergab sich, dass auch dieses interstellare Zeichen, den Florinsmarkt als wichtiges Projekt der Stadtentwicklung und Gesellschaftsentwicklung weit über Koblenz hinaus, zu unterstützen, erneut ins Leere ging oder eben versehentlich in Güls verpuffte, genauer gesagt. Dafür gibt es jetzt am Florinsmarkt eine planetare Sende- und Empfangsstation.

Das Koblenzer Kulturamt trifft jedenfalls keine Schuld. Dort war man sich über die Konsequenzen, die interstellare Aufrufe auf Stromkästen auslösen können, zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe nicht im Klaren. Und ob der Künstler ‘Moha‘ Heyduczek eine besondere Inspiration bekam, ist heute auch nicht mehr nachweisbar. Der Auftrag des Kulturamtes lautete jedenfalls wörtlich „Galaxy in Verbindung mit Energie“. Das ist amtlich, siehe [3].

Irgendjemand muss also irgendwas gewusst haben.

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DISCLAIMER: Berichte, dass Noel Moschus (Name nur leicht geändert) bei seinem letzten Aufenthalt auf dem Mars diesen kleinen Meteoriten aus Wut in Richtung Koblenz geworfen hat, weil er dort namhafte Kritiker vermutet, sind nicht zutreffend.

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[1] Rhein-Zeitung vom 30.09.2013: https://www.rhein-zeitung.de/lokales/koblenz-region/florinsmarkt-goerlitz-kauft-der-stadt-die-historischen-gebaeude-ab_arid-1046556.html

[2] ISSO Blog vom 16.09.2025: https://isso.de/blog/2025/09/16/florinsmarkt_fertigstellung/

[3] Kulturamt der Stadt Koblenz: Urban Art. https://kultur.koblenz.de/urban-art/urbane-kunst/

[4] Alexander ‘Moha‘ Heyduczek: https://www.instagram.com/moha.streetart/

 

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