Liebe Leserinnen,
liebe Leser,

heute schreibe ich zum letzten Mal einen Blogbeitrag für ISSO. Davon habe ich in den letzten Jahren sehr viele geschrieben. Für Sie, die Sie sich für gesellschaftlich relevante Themen interessieren. Für Euch, die Ihr trotz aller Zweifel, Bedenken und Ärgernisse entschlossen seid, an unserem demokratischen Miteinander festzuhalten und die Welt sowie das eigene Leben darin ein klein wenig besser zu machen. Für alle, die Ihr klug, sozial engagiert, empathisch und manchmal nicht widerspruchsfrei für Veränderungen einsteht.

„Das Wunder der Freiheit liegt in diesem Anfangen-Können.“ – Ein passender Ausspruch meiner Lieblingsphilosophin. Über Hannah Arendt gab es so einiges zu berichten. Sie ist aktueller denn je. Und gerade ist schon wieder ein neues Buch über sie erschienen: „Die Denkerin. Hannah Arendt und ihr Jahrhundert“ von Grit Straßenberger.

Doch heute geht es auch um mich: Denn einem Anfang geht meist ein Abschied voraus. Im Laufe eines Lebens gibt es viele davon, kleine und große. Abschiede von guten Ideen, unerreichbaren Zielen, Projekten und manchmal auch von Teams, Organisationen und Menschen.

Das einzig Konstante ist das Nicht-Konstante. So ist der Lauf der Dinge. Und wie es einst, in den 1980er-Jahren, eine ebenso waschechte Kölnerin, wie ich es bin, besang: „Niemals geht man so ganz“

Knapp fünfzehn Jahre habe ich die Themenlandschaft rund um ISSO, das operative Institut der Martin-Görlitz-Stiftung, aktiv mitgestaltet. Ob Beiträge im ISSO-Newsletter, ob Kooperationen und Konzeptentwicklungen oder die Durchführung und Moderation von Seminaren, Workshops und Podiumsdiskussionen: In vielerlei unterschiedlichen Aktivitäten und Formaten habe ich die Inhalte von ISSO (mit) ausgedacht, entwickelt oder in Zusammenarbeit mit Ihnen oder Euch ausgestaltet. Das hat mir große Freude bereitet. Auch deswegen, weil Sie oder Ihr alle in irgendeiner Weise zurückgespiegelt habt, dass es wichtige, nützliche und inspirierende Impulse und Aktivitäten waren.

Eigenes Engagement zeigt sich manchmal durch Worte, aber noch häufiger durch Taten. In einem anderen Umfeld werde ich meine Fähigkeiten und Kompetenzen weiter einbringen. Dazu bot sich beinahe zufällig eine gute Gelegenheit. Wir bleiben lebendig und fit, wenn wir uns selbst fordern und immer wieder weiterentwickeln. Auch andere Leute starten etwas Neues, so zum Beispiel mein Lieblingskolumnist Harald Martenstein, der nach über zwanzig Jahren DIE ZEIT verlässt und dort seine Kolumne aufgibt. Es ist nicht abgesprochen. Ich schwöre es!

Natürlich bin ich auch traurig. Loslassen ist nicht leicht. Ich werde einiges vermissen. Themen. Menschen. Austausch. Gemeinschaft. Es waren vielseitige und inspirierende Jahre. Es gab genügend Gestaltungsraum und tolle Kooperationen mit sehr vielen engagierten, klugen und verlässlichen Menschen. Das wird bleiben. Danke für viel Vertrauen – auch darauf, sich auf kleine oder große Veränderungen einzulassen.

In seiner letzten Kolumne setzt Martenstein ein Goethe-Zitat als offizielles Schlusswort: „Mehr Licht!“ Das gefällt mir. Es bedeutet ja auch mehr Sichtbarkeit. Also, treten wir weiterhin aus dem Schatten. Bleiben wir aktiv und engagiert. Jede und jeder auf seine Weise, für ein demokratisches Miteinander, für eine friedlichere Welt!

Das wünscht Ihnen und Euch zum Abschied

Ihre / Eure

Beatrix Sieben

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