Auch wer ihn nicht kennt, der hat einen seiner bekanntesten Texte sicherlich schon einmal gehört oder gar mitgesungen: „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Ein Lied wie ein Lichtblick in der Dunkelheit. Geschrieben im Jahr 1944 von Dietrich Bonhoeffer (1906–1945). Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter des christlichen Widerstandes im Nationalsozialismus.
Der Film „Bonhoeffer“ aus dem Jahre 2024 ist eine Filmbiografie des US-amerikanischen Filmemachers Todd Komarnicki über sein Leben, von der Kindheit in einem großbürgerlichen liberalen Elternhaus in Berlin bis zu seinem Tod im Konzentrationslager Flossenbürg im Jahre 1945. Dort wurde er zwei Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges und vor der Befreiung durch die Alliierten hingerichtet.
Filmbeschreibung:
Berlin in den 1940er-Jahren. Der junge Pastor und Theologe Dietrich Bonhoeffer (Jonas Dassler) ist mit den Standpunkten der Nationalsozialisten nicht einverstanden und missbilligt ihr Auftreten nicht nur innerhalb der Kirche, sondern auch gegenüber anderen Menschen. Bonhoeffer glaubt weiterhin unerschütterlich an das Gute in jedem einzelnen Menschen und möchte nicht weiter tatenlos den Nazis gegenüberstehen. Als er selbst zu einer politisch wie menschlich radikalen Tat aufgerufen wird, die den Lauf der Geschichte verändern könnte, muss er als überzeugter Pazifist gut überlegen, wie er handeln soll.
Filmkritik:
Die Arbeit des US-Regisseurs Todd Komarnicki erfährt viel Kritik. Von Forschenden, Kirchenvertretern. Die Nachfahren Bonhoeffers haben sogar einen Protestbrief geschrieben. Mehr als einmal werden im Film historische Fakten zugunsten einer frommen Verklärung verdreht oder dramatisch zugespitzt. Anderes ist frei erfunden. Das US-Kinoplakat beispielsweise zeigt Bonhoeffer mit Pistole. Der Theologe gehörte zwar zum Stauffenberg-Kreis, die Hitler mit einer Bombe töten wollten, doch er selbst hat nie eine Waffe getragen.
„Hiesige Medien sprechen sogar von einer Vereinnahmung des Films als Beispiel für eine notwendige Auflehnung des Volkes gegen die Machenschaften von Politik und Macht, die sich Anhänger von Donald Trump in den USA zunutze gemacht haben sollen.“ Mit diesem Intro wird der Film bei der Matinee am 8. Februar 2026 im Odeon-Apollo Filmcenter anmoderiert. Im anschließenden Gespräch zum Film mit Guido Groß: Prof. Dr. Thomas Schneider, Professor für Kirchengeschichte, und Prof. Dr. Jürgen Boomgaarden, Professor für Systematische Theologie, beide vom Institut für Evangelische Theologie an der Universität Koblenz.
Gespräch zum Film mit Guido Groß, Prof. Dr. Thomas Schneider, Prof. Dr. Jürgen Boomgaarden,
Die warnenden Worte sensibilisieren für eine kritische Haltung dem Film gegenüber, der keine Dokumentation, sondern ein Spielfilm ist – mit durchaus prominenter deutscher Besetzung: Moritz Bleibtreu als Vater Bonhoeffer und August Diehl als Pfarrer Martin Niemöller, der im Film zum Bischof erhoben wurde.
Es gibt unnötige historische Fehler, so das Statement der beiden Professoren. Drehorte in Irland statt in Deutschland erscheinen unnötig und verwirrend. Das jahrelange Bemühen der evangelischen Kirche gegen eine Patina des Heiligseins anzugehen, wird durch den Film gefährdet. An manchen Stellen wird es mystisch bis kitschig. Und doch: Gerade in Zeiten wie diesen braucht auch die Zeitgeschichte Helden mit humanistischen Werten, keine verklärten Mystiker, aber aufrechte und wehrhafte Menschen.
Der Film ermöglicht die Auseinandersetzung mit der Person Dietrich Bonhoeffer in ihrem zeitlichen Kontext einer liberalen bürgerlichen Welt, die mit ansehen musste, wie sich die Barbarei unaufhaltsam ausbreitete. Das Gebot der Stunde war dann, sich selbst zu entscheiden, ob und in welcher Weise jede und jeder für seine Werte oder seinen Glauben einsteht. Der Theologe Bonhoeffer war mit seinem Glauben an Gott gewappnet und starb im Anblick des Bösen, vielleicht sogar verzeihend. Wir wissen es nicht.
Das Gedicht:
Von guten Mächten
Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.
Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.
Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.
Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.
Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.
Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Dietrich Bonhoeffer, Von guten Mächten, in seinem Brief an Maria von Wedemeyer aus dem Kellergefängnis des Reichssicherheitshauptamts in Berlin, Prinz-Albrecht-Straße, 19. Dezember 1944. Erstmals veröffentlicht 1951 in: Eberhard Bethge (Hrsg.), Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft.
Zitiert nach:
https://www.ekd.de/eg-65-von-guten-machten-wunderbar-geborgen-11493.htm
Weitere Informationen:
Eberhard Bethge: Dietrich Bonhoeffer. Rowohlt Monographie. Hamburg: Rowohlt E-Book 2017. 160 Seiten (ohne die Bilder aus der Printausgabe). ISBN: 978-3-644-57532-5. 9,99 Euro.