Digitalisierung und Nachhaltigkeit, das sind zwei dicke Bretter, wenn man es so nennen will. Dabei hinkt das Bild: Ein Brett ist nach ein paar Jahren von der Natur vollständig recycled. Für alles, was mit Digitalisierung zu tun hat, gilt das wahrlich nicht. Die Stoffe bleiben ewig in unserer Umwelt und der Energieverbrauch ist ebenfalls immens.
Bild: Dr. Nora Kern von der Handwerkskammer (Foto: Martin Görlitz, ISSO)
Gut also, dass es an der Universität Koblenz eine Vorlesung Digitalisierung und nachhaltiges Wirtschaften gibt und dazu eine Forschungsgruppe [1]. Die hat nun nicht die Aufgabe, die ökologischen Probleme gleich beider Bereiche umfassend zu lösen, sie stellt sich aber der Frage, wie an der Schnittstelle von Digitalisierung und Nachhaltigkeit gute Lösungen entstehen können. Ein sehr vereinfachtes Beispiel: Wie könnte mit einer App der Abfall reduziert werden.
Da die wissenschaftlichen Formulierungen der Inhalte manchmal doch nicht leicht verständlich sind, gibt es einen wichtigen Punkt: Die Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft und anderen Akteuren aus der Praxis ist eingeplant, um auch gezielt Forschungsfragen aufzutun, die später nützlich sind.
Um die regionale Wirtschaft und weitere Interessengruppen mit dem Fachbereich zu verbinden, gab es am 31. Oktober ein Netzwerktreffen unter diesem Thema, das von der Europäischen Kommission seit etwa 2020 mit dem Begriff Twin Transformation benannt wird. Prof. Dr. Claudia Quaiser-Pohl, Vizepräsidentin für Forschung und Transfer, gab einen Überblick zu diesem Begriff. Anschließend brachten zwei Impulsvorträge einen Einblick, was konkret gemeint sein könnte. Dr. Nora Kern von der Handwerkskammer Koblenz stellte das Beispiel eines Unternehmens vor, das zahntechnische Modelle, die früher in Einweg-Kunststoff produziert wurden, nun im 3D-Druck-Verfahren mit wiederverwertbarem Kunststoff herstellt. Man sah bereits: Es geht nicht um „Weniger und Bleibenlassen“, sondern um Wirtschaften mit Wachstum, aber möglichst nachhaltig. Die Schwierigkeit bleibt, analog zur Formel der Twin Transformation also das Duale Dilemma.
Foto: Martin Görlitz, ISSO
Darauf wies auch Prof. Dr. Mario Schaarschmidt hin, Professor für Wirtschaftsinformatik und Applikationsmanagement an der Universität Duisburg-Essen, unter anderem am Beispiel des Energieverbrauchs digitaler Lösungen – an der Spitze Blockchain und damit Bitcoin. Während die Münze in unserer Hosentasche auf ewig keine Energie verbraucht, funktionieren digitale Währungen nun einmal nicht ohne erheblichen Dauerstrom.
Im anschließenden Workshop sollten nun die rund 40 Teilnehmenden Problemstellungen identifizieren, bei denen in unserer Region möglicherweise Themen von Digitalisierung und Nachhaltigkeit zusammen bearbeitet werden könnten. Es war zwar keine große Gruppe, aber die Gedanken, später in Form von vielen Kärtchen an den Pinnwänden formuliert, sprudelten. Im Format „World Café“ rotierend wurden die Ideen weiter konkretisiert, so dass die Forscher*innen am Ende der Veranstaltung mit einem ordentlichen Paket an Ideen wieder an die Arbeit gehen konnten.
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[1] https://www.uni-koblenz.de/de/informatik/ifm/digitalisierung_nachhaltiges_wirtschaften
Foto: Universität Koblenz