Autorin Hadija Haruna-Oelker

Im dritten Teil der insgesamt vierteiligen Veranstaltungsreihe „Rassismus im Fokus“ stand die Frage im Zentrum, wie und von wem über Rassismus gesprochen wird oder werden sollte. Entscheidend war dabei auch, festzustellen, wem dabei zugehört wird. Eingeladen war zu dieser Kooperationsveranstaltung die Politikwissenschaftlerin und Autorin Hadija Haruna-Oelker, die Auszüge aus ihrem Buch „Die Schönheit der Differenz: Miteinander anders denken“ beisteuerte. Im Anschluss beantwortete sie im Gespräch mit Torsten Jäger (Mitarbeiter im Initiativausschuss für Migrationspolitik RLP) und Alissa Waldorf (Referentin bei der Arbeitsgemeinschaft der Beiräte für Migration und Integration RLP) unterschiedliche Fragen.

Die Autorin ging darauf ein, weshalb Rassismus lange Zeit kein öffentliches Thema in Deutschland sein konnte sowie wann und wodurch sich eine Wende ergab. Wie nach Anschlägen und Gewaltübergriffen – unter anderem gegen George Floyd – die Betroffenheit wuchs und sich ein neuer Mainstream bildete. Ein neues Empowerment durch die Betroffenen, welches eine Auseinandersetzung fordert.

Haruna-Oelker spricht in ihrem Buch von der Fragilität von Identitäten, die nirgendwo beheimatet sind, sich aber zugehörig fühlen. Sie weist darauf hin, mit wie viel Beschämung und Schmerz ein Leben verbunden sein kann, in dem Menschen dazu verdammt sind, zu einer Randgruppe zu gehören, und somit statt Macht eher Ohnmacht ertragen müssen. Schließlich schildert sie auch ihre eigenen Erfahrungen und wagt einen Transfer zu großen gesellschaftlichen Fragestellungen, wie zum Beispiel: Wie lässt sich eine Gemeinschaft aus vielen Kulturen gestalten? Sie hält ein Plädoyer für die „Schönheit der Differenz“, die in uns Menschen die Neugier wachzuhalten vermag, mit der wir schon seit Kindertagen in die Welt blicken. Wem es gelingt, anders zu denken, der vergrößert seine eigene Welt und wird reicher an Erfahrungen und Erkenntnissen.

Mit viel Verständnis erklärte die Autorin, dass wir alle rassistisch sozialisiert sind und unsere eigenen inneren Denkräume aktiv öffnen müssen, um neue und andere Erfahrungen zu machen. Es braucht Empathie, Offenheit und eine neue Sprache. Es braucht auch Mut, um eine „klare Kante“ zu zeigen, wenn rassistische Pöbeleien nicht nur gegen den guten Geschmack verstoßen, sondern Menschen ausgrenzen wollen.

Rassismus verletzt, entwürdigt, beschämt. Haruna-Oelker warb mit großem Enthusiasmus und spürbarem Feingefühl für ein anderes Miteinander, eine neue Gemeinschaft, in der es keine alltägliche Realität für Menschen mehr sein sollte, dass ihnen Gleichwertigkeit und Zugehörigkeit in Abrede gestellt werden – wegen ihres Äußeren, ihres Namens oder einer ihnen zugeschriebenen Kultur, Herkunft oder Religion.

Die Veranstaltungsreihe „Rassismus im Fokus“ ist eine Kooperation des Ministeriums für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz, des Beauftragten der Landesregie­rung für Migration und Integration sowie der Arbeitsgemeinschaft der Beiräte für Migration und Integration in Rheinland-Pfalz (AGARP) und des Initiativausschusses für Migrationspolitik in Rheinland-Pfalz.

Zusammen mit ISSO und dem Beirat für Migration und Integration der Stadt Koblenz fand die Veranstaltung am 8. Mai 2024 im Gewölbesaal des Alten Kaufhauses in Koblenz statt. Eine weitere Veranstaltung wird bis Ende des Jahres stattfinden. Unser Newsletter wird Sie auf dem Laufenden halten: www.isso.de

Weitere Informationen:

Veranstaltungsseite https://isso.de/ueber-rassismus-reden-wer-spricht-wie-und-wem-wird-zugehoert/ 

Autorin https://hadija-haruna.de/

Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration https://mffki.rlp.de/

AGARP https://agarp.de/ 

Beirats für Migration und Integration (BMI) https://www.koblenz.de/

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