„Wenn alles so furchtbar kompliziert ist“ – Ein Vortrag aus der Reihe Scientists for Future

Uhren sind kompliziert, aber als technisches Werk kann man sie verstehen. Interaktionen zwischen Tieren oder Menschen sind komplex, und was uns dabei besonders irritiert, ist anders als bei der Uhr ihre Unberechenbarkeit. Gar nicht so einfach, sich in einer komplexen Welt zu bewegen. 

Komplexität ruft Unsicherheiten und Ängste hervor und diese wieder ein Bedürfnis nach Sicherheit. Das macht unsere Gesellschaft anfällig für Vereinfachungen jeder Art, oder wie Prof. Henning Pätzold es nennt, Trivialisierungen. Gerade der Satz „Das ist doch klar!“, so Pätzold, sei oft die Vorrede zu einer Behauptung, die alles andere als klar sei, auch wenn jeder von uns sie schon einmal verwendet hat. Wachheit, Mut und Haltung seien nötig, um destruktiven Kräften entgegenzuwirken, die Fakten verleugnen und durch gezielte Meinungsmache die Komplexität der Dinge anzweifeln und mit Absicht für Verwirrung und mehr Verunsicherung sorgen. 

Demokratie benötigt Vielfalt und kann diese auch aushalten ebenso wie die Natur, die uns dabei als Vorbild dient und deren Vielfalt uns täglich begegnet mit der Schönheit und Vielseitigkeit von Flora und Fauna. Auch die Corona-Krise sensibilisiert uns Menschen einerseits für das Zusammenwirken und die Verletzlichkeit von Systemen, anderseits hilft sie uns dabei, gängige und wenig nützliche Gewohnheiten in Frage zu stellen. Systeme spiegeln immer komplexe Zusammenhänge wider. Die Systemforschung hat seit den 80er Jahren wichtige Beiträge erforscht und hilfreiche Erkenntnisse vermittelt, was wir von dem „Lehrmeister Natur“ lernen können.

Der Klimawandel braucht Einsichten von bisher ignorierten Zusammenhängen und Mut zur Neu-Gestaltung. Prof. Henning Pätzold sieht darin eine Chance, ins Handeln zu kommen. Er ermutigt dazu, eigene Veränderungsoptionen wahrzunehmen und nichts und niemanden zu unterstützen, der Diversität und Vielfalt ablehnt. 

Als Wissenschaftler im Netzwerk „Scientists for Future“ will Prof. Henning Pätzold wie seine Kolleginnen und Kollegen aus der Regionalgruppe Koblenz informieren und zur Diskussion einladen. Koordiniert durch Prof. Frank Hergert von der Hochschule Koblenz und zusammen mit ISSO realisiert finden monatliche Veranstaltungen statt unter dem Thema „Klimawandel – warum wir jetzt handeln müssen“. Nach den ersten Publikumsveranstaltungen im Dreikönigenhaus werden die Vorträge derzeit live über den Kanal Studiyoo auf YouTube gesendet. Die Gruppe der Wissenschaftler ist sich ihrer besonderen Herausforderung bewusst, in einer Zeit vieler Unsicherheiten und Fragen keine fertigen einfachen Lösungen anzubieten, sondern an den Mut zu appellieren, nötige und sinnvolle Veränderungen mitzugestalten.

Wer die Veranstaltung verpasst hat, findet sie hier auf Youtube (externer Link, bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise). Dies sind die nächsten Live-Vorträge auf dem Kanal Studiyoo:

Mi, 17.06.2020 (19:00 Uhr) Scientists for Future mit Prof. Dr. Dörte Ziegler, HS Koblenz:
Klimawandel = Wasserwandel? (Live-Sendung für den ausgefallenen Termin am 25.03.)

Do, 18.06.2020 (19:30 Uhr) Ringvorlesung mit JProf. Dr. Sabine Nover, PTHV Vallendar:
„Mia oder Paro? Zum Einsatz von Hunden und Robotern in der Therapie von Menschen mit Demenz.“

Mi, 24.06.2020 (19:00 Uhr) Scientists for Future mit Prof. Dr. Eberhard Fischer, Universität Campus Koblenz:
„Auswirkungen der Klimaveränderung auf die Flora“.

Bitte beachten: Sie können sich per Google in Youtube anmelden und live im Chat mitdiskutieren.

Weitere Informationen zu den Scientists for Future Koblenz gibt es im ISSO-Blog sowie auf der Internetseite der Hochschule Koblenz. Hier finden Sie auch die Präsentationen zu vergangenen Vorträgen. Zusätzliche Fakten gibt es außerdem auf der Internetseite der Scientists for Future Deutschland.