Mittwochabend in der Koblenzer Altstadt. Der Gewölbekeller des Alten Kaufhauses ist bis auf den letzten Sitzplatz gefüllt, Interessierte sichern sich die letzten Stehplätze, es werden letzte Stühle zusammengetragen – in diesem Fall sogar die historischen Stühle aus dem alten Deinhard-Konferenzsaal. Der Grund für einen Andrang, den das Alte Kaufhaus so schon sehr lange nicht mehr erleben durfte: die Auftaktvortrag einer ganzen Veranstaltungsreihe der Scientsts for Future Koblenz.

Der Abend beginnt mit einer kurzen Begrüßung des Hausherrn Martin Görlitz, der an das Bewusstsein aller Anwesenden appellierte, den Klimawandel nicht zu bagatellisieren, sich nicht nur mit den Inhalten und Konsequenzen auseinanderzusetzen, sondern auch aktiv für die Umwelt einzustehen und daran mitzuwirken, die Welt wieder zu einer zu gestalten, in der es erstrebenswert ist, alt zu werden.

Prof. Dr. Dörte Ziegler, Professorin an der Hochschule Koblenz im Bereich Wasserressourcen- und Umweltmanagement, gibt einen kurzen Einblick in die Entstehungsgeschichte der 2019 entstandenen Verbindung Scientists for Future Koblenz und deren Entwicklung und dankt den Koordinatoren Frank Hergert und dem ISSO Team.Veranstaltungen wie diese Vortragsreihe sollten dazu beitragen, fundierte Wahrheiten zum Klimawandel publik zu machen, um Fake News, Bagatellisierung und Informationsüberflutung auszuräumen. Dann stellt sie den Redner des Abends, Prof. Dr. Klaus Fischer, Zoologie-Professor der Uni Koblenz, vor. Thema des Abends: „Klimawandel – Fakten und alternative Fakten.“

„Wer glaubt, dass sich das Klima durch menschliches Verhalten ändert?“ – welche Einstimmung auf einen Vortrag zum Klimawandel. Selbstverständlich heben nahezu alle der ca. 200 erschienenen Gäste die Hand. „Sie liegen falsch. Klimawandel ist doch keine Glaubenssache! Es gibt Fakten, die beweisen, dass es ihn gibt!“Tja, reingefallen. Natürlich ist Klimawandel keine Glaubenssache, wenngleich Populisten, Politiker und Lobbyisten diese Ansicht gern in den Medien verbreiten. In eindrucksvollen Grafiken, Bildern und Statistiken visualisiert und erklärt Prof. Fischer, wie sich die Erderwärmung in den letzten Jahrzehnten gestaltet hat, wie sie die Umwelt verändert hat und weiter verändern wird und welche Konsequenzen es nicht nur für die Menschen, sondern für die gesamte Biodiversität des Planeten hat und noch immenser haben wird, wenn der CO2-Ausstoß nicht drastisch reduziert wird. Aussterbende Tierarten, Pflanzen, die in Hitzeperioden verdorren, in Waldbränden verbrennen oder bei Unwettern und Überschwemmungen ertrinken. Abschmelzende Polkappen, verschwindende Gletscher. Ein steigender Meeresspiegel, der dafür sorgen wird, dass etliche Menschen ihre Heimat verlieren werden. Klimaflüchtlinge. Die Ursache: Landwirtschaft, Industrie, Verkehr und Gebäude. Das größte Problem: der hohe Lebensstandard und die Bequemlichkeit reicher Industriestaaten, die um ein Vielfaches mehr CO2produzieren als Entwicklungsländer. Das noch größere Problem: Auch diese Länder streben nach Wohlstand – und werden ihren CO2-Ausstoß vermutlich langfristig ebenfalls massiv erhöhen. Je mehr CO2ausgestoßen wird, desto schneller schreitet die Erderwärmung voran – und mit ihr alle Naturkatastrophen. Unser (un-)natürlicher Lebensraum geht zurück. Das Argument der Klimawandel-Skeptiker: „Wie können Klimaforscher diese Veränderungen innerhalb der nächsten Jahrzehnte voraussehen, wenn sie noch nicht einmal voraussehen können, wie das Wetter nächste Woche sein wird?“ Was diese Menschen nicht berücksichtigen: Wetter und Klima sind nicht dasselbe. Klima ist etwas Langfristiges. Wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, ändert sich auch das Klima. Doch Prof. Fischer erläutert nicht nur, wie das Klima sich verändert und welche Auswirkungen das auf unsere Umwelt hat, sondern gibt auch einen Ausweg, eine Aufforderung: „Wir müssen Energie sparen, wo es nur geht. Es wird uns nicht möglich sein, von heute auf morgen unseren immensen Energieverbrauch durch nachhaltige Energieerzeugnisse zu decken. Es gilt den Gürtel enger zu schnallen“.

Im Anschluss an den Vortrag folgt eine Frage- und Diskussionsrunde, in der nicht nur Verständnisfragen beantwortet, sondern auch kontroverse Positionen diskutiert werden. Dann folgt bei einem Glühwein der gemütliche Ausklang im direkten Austausch der Wissenschaftler und des Hausherrn mit den Gästen.

Weitere Informationen zu den Scientists for Future Koblenz sowie das vollständige Programm der Vortragsreihe gibt es im ISSO-Blog sowie auf der Internetseite der Hochschule Koblenz. Hier finden Sie auch die Präsentationen zu vergangenen Vorträgen. Zusätzliche Fakten gibt es außerdem auf der Internetseite der Scientists for Future Deutschland.

Die nächste Veranstaltung „Die Folgen des Klimawandels für den heimischen Wald“ findet am 04.03.2020 im ISSO-Institut statt, je nach Anmeldestand im Dreikönigenhaus oder im Gewölbesaal des Alten Kaufhauses. Der Veranstaltungsraum wird 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn geöffnet sein.