Wird der Menschenrechtsbegriff heute zu weit gefasst? Oder sind die Menschenrechte noch immer nicht universell genug? Welche Rolle spielen sie in der täglichen Rechtsprechung?

Diese Fragen und Thesen und viele mehr kamen am Donnerstagabend im Dreikönigenhaus zur Sprache. Dort hatten Hochschule und Universität in Kooperation mit dem ISSO-Institut zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Im bis auf den letzten Platz gefüllten Veranstaltungsraum versammelten sich Studierende sowie VertreterInnen diverser Institutionen und viele interessierte Koblenzerinnen und Altstädter. Auf dem Podium nahmen Prof. Dr. Ina Kerner (Kulturwissenschaftlerin, Uni Koblenz-Landau), Prof. Dr. Edwick Czerwick (Politikwissenschaftler, ehm. Uni Koblenz-Landau) und Dr. Lars Brocker (Präsident des Verfassungsgerichtshofs Rheinland-Pfalz) Platz. Als Initiator, engagiert in der Sache und mit Humor leitete Peter-Erwin Jansen von der Hochschule die Diskussion.

Die unterschiedlichen Auffassungen und Perspektiven von Politik, Kultur, Soziologie und der Rechtsprechung in Bezug auf die Menschenrechte und deren Umsetzung durch die Verfassung führten zu einer bemerkenswert lebendigen Diskussion. Engagiert und kompetent im eigenen Themengebiet ergaben sich vielseitige Betrachtungen für die Zuhörenden und ein kompaktes Verständnis für die Weite des Themas Menschlichkeit und Menschenrechte. Der Gesprächsstoff schien unerschöpflich hätte wahrscheinlich noch weitere Zeit gefüllt.

Im Anschluss an den interdisziplinären Meinungsaustausch begann mit einem Ortswechsel der zweite Teil des Abends. Im historischen Gewölbesaal des Alten Kaufhauses begrüßte Hausherr Martin Görlitz die Gäste zur Vernissage der Künstlerin Antje Wichtrey. Auch Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf und die VizepräsidentInnen von Hochschule und Universität sprachen Grußworte.

Antje Wichtrey hat sich mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte unter anderem in Form von Holzschnitten beschäftigt und somit eine Illustration des abstrakten Rechtstexts geschaffen. Warme, einladende Farben wählte Wichtrey für die Bilder und hat sich somit bewusst für eine positive und auf die Menschen reduzierte Gestaltung entschieden. Die räumliche Aufteilung und Anordnung der Menschen in den Bildern hat symbolischen Wert, lässt aber auch Raum für eigene Interpretationen. Zum Anfassen gibt es für Besuchende der Ausstellung zudem zwei Kunstbücher: eines der Unikate setzt sich mit Olympe de Gouges’ „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ auseinander, die auch von der Künstlerin extra für diese aktuelle Präsentation besonders hervorgehoben wurden. Die bedruckten Fahnen stehen in einem wundervollen Zusammenhang mit den Inhalten und weist darauf hin, wie filigran und verletzlich die Thematik ist. Die Ausstellung wurde durchweg positiv aufgenommen – die Vizepräsidentin der Hochschule Prof. Dr. Daniela Braun beispielsweise sprach von „Poesie“. Einig waren sich alle Rednerinnen und Redner darin, dass es sich um aktuelle und relevante Werke handelt.

Antje Wichtrey – Foto: Klaus Raasch

Die Ausstellung im Gewölbesaal des Alten Kaufhauses ist noch bis zum 27. November jeweils von 13:00 bis 17:00 Uhr geöffnet (montags geschlossen). Um eine jüngere Zielgruppe ebenfalls anzusprechen, werden zusätzlich an Koblenzer Schulen Workshops zum Thema angeboten. Am 20. November fand ein SlamContest zum Thema „70 Jahre Verfassung und Menschenrechte“ im Circus Maximus statt.
Unter dem Dach der Reihe „Demokratie leben“ kooperieren die Hochschule Koblenz und die Universität Koblenz-Landau gemeinsam mit dem ISSO-Institut. Dazu findet vom 15. Bis 27. November 2019 im Gewölbesaal des Alten Kaufhauses die Ausstellung „Im Spiegel der Menschenrechte und der Verfassung – Realität und Anspruch der Gleichberechtigung“ der Künstlerin Antje Wichtrey statt. Für ihre Ausstellung und ihr Engagement in Sachen Menschenrechte wurde Frau Wichtrey mit der „goldenen Taube“ ausgezeichnet.

Mehr Informationen sowie den Flyer zu Ausstellung und Veranstaltung finden Sie hier.