Mit Slow Food zu Besuch bei einer Fischzuchtanlage im Westerwald

Teichanlage Bläser

Romantisch, aber doch ein Produktionsbetrieb: Die Teichanlage Bläser in Oberelbert.

Daran waren doch viele interessiert: Slow Food Rhein-Mosel bot Mitgliedern und Gästen einen wunderbaren Abend in der Teichanlage Bläser in Oberelbert. Nach einer kurzen Einführung von Conviviumsleiter Winfried Heuft konnte der Inhaber der Anlage den staunenden Gästen einiges berichten, womit wohl keiner gerechnet hatte. Die meisten Gäste dachten, eine Fischzuchtanlage ist so etwas wie eine beschauliche Gärtnerei im Wasser. Säen, warten, aufziehen, vereinzeln, pflegen, warten, ernten. Inhaber Lukas Kern hat den Betrieb seit der Übernahme in 2021 modernisiert, und neben den Angelteichen mit dem üblichen Angebot für Hobbyangler gibt es jetzt einen wesentlich ertragreicheren Wirtschaftsbereich. Schon weitgehend herangewachsene Fische kommen in großen Lastzügen von Fischfarmen, verbringen noch einige Tage oder Wochen in der Teichanlage, erhalten dabei vielleicht Spezialfutter für ein bestimmtes Zuchtergebnis, und werden dann in der Anlage selbst verarbeitet. Fehlende Arbeitskräfte seien dabei das größte Problem, meint Lukas Kern. Die Teichfläche wirkt mit rund 4 Hektar riesig, eingeteilt in drei Angelteiche und mehrere Zuchtbecken. In einem kleinen Becken staunen die Gäste über ein paar ordentliche Störe, und die Fotografin wird mächtig nass, als einer von ihnen mit der Schwanzflosse aufs Wasser klatscht.

Inhaber Lukas Kern erläutert die verschiedenen Aufzuchtbecken

Die technisch Interessierten erfahren noch ein Detail. Eine solche Teichanlage liegt ja immer im Verlauf eines Baches, aus dem das Wasser bezogen wird. Der Stelzenbach führt aber in der herrschenden Trockenheit so wenig Wasser, dass aus ihm praktisch nichts entnommen werden kann. Für die Raubfische wie Forellen muss jedoch ein deutlicher Wasserdurchlauf angeboten werden. Das geschieht hier mit einer starken Pumpenanlage, die letztlich das Wasser vom Ende der Teichkette wieder an den Anfang pumpt. Die Zuschauer bemerkten, dass man doch mit den Nährstoffen der Fische in einem Kreislauf auch eine Pflanzenzucht versorgen kann, das gibt es aber in Oberelbert bislang nicht. Die Hinterlassenschaften der Fische sinken zu Boden, meinte der Inhaber. Vielleicht ist hier noch Ausbaupotential!

Dann aber geht es zum kulinarischen Teil des Abends über. Slow Cook Detlev Ueter, Mitglied der Chef Alliance von Slow Food, hat mit Lukas Kern ein Fischmenü vorbereitet, drei Gänge mit Dessert, was keine Wünsche offenlässt. Dreierlei Zubereitungen von Lachs und Lachsforelle, dann kommt Detlev Ueters Spezialthema: Alles vom Tier verwerten. Die Basis der sehr leckeren Cremesuppe stammt deshalb aus ausgekochten Gräten und Fischresten. Als Hauptgang gibt es Flammlachs vom Grill „satt“. Abgerundet wird das Menü von Moselweinen von der Weinmanufaktur Schneiders aus Pommern. Die rund 30 Gäste waren beeindruckt vom wunderbaren Essen und dem beinahe romantischen Ambiente an den Fischteichen.

Das Menu von Detlev Ueter war wieder einmal überzeugend!

Über Slow Food: (Quelle: Homepage) Slow Food ist eine weltweite, mitgliedergestützte Bewegung, die 1989 gegründet wurde, um das Verschwinden lokaler Lebensmittel-Kultur und -Traditionen aufzuhalten, um sich für ein moderates Lebenstempo einzusetzen und um Menschen wieder dafür zu interessieren, woher ihr Essen kommt, wie es schmeckt, und wie sich unsere tägliche Wahl der Lebensmittel auf die Ernährungsgewohnheiten in anderen Teilen der Welt auswirkt.

(Fotos: Andrea Keuser)
(23.08.2022)