Menschen unterscheiden sich durch ihre Sprachfähigkeit von allen anderen Lebewesen. Vor über zweitausend Jahren war es selbstverständlich, dass sich Philosophen auf einem Marktplatz oder der agora trafen, um sich miteinander oder mit ihren Studierenden auszutauschen.

Miteinander ins Gespräch zu kommen, ist auch heute ein wichtiges Anliegen. Nach Hartmut Rosa (2016) verwenden wir heute für diesen Austausch in und mit der Welt auch die sozialen Medien. Solche Weltbeziehungen sind nach Rosa unserer aller Anliegen, wir wollen wahrgenommen und gesehen werden. Mit diesem Wissen darum, dass wir unser Selbst erst durch eine gewisse Reflektion wirklich erfahren wird verständlich, dass wir diesen Austausch auch für das eigene Selbstbewusstsein und die persönliche Entwicklung dringend benötigen. Ein Blick von außen, ein Perspektivwechsel lässt uns selbst deutlicher erscheinen. Unser Selbst zeigt sich klarer im Vergleich zu anderen.

Wenn wir die Empathie als einen solchen Perspektivwechsel verstehen, dann ist sie unbedingt nützlich dafür, mich selbst und andere immer wieder neu zu erfahren.

Wer sich einfühlt in andere Erlebnisse, Erfahrungen und Lebensgeschichten, reichert sein persönliches Leben an. Dazu gehört auch eine Identifikation mit Heldinnen und Helden, Vorbildern und fiktiven Romangestalten. Nach Wolf-Andreas Liebert (2019) können wir uns in alles hineinversetzen und dieser Person oder diesem Gegenstand eine Stimme geben. Wir reichern unser Leben durch fiktionale Wirklichkeiten, die denkbar und möglich sein könnten.

Doch kann Empathie auch unsere Gesprächsbereitschaft erhalten?

Empathie stellt die Basis dar oder eine gewisse Grundfähigkeit, die angereichert durch Neugier auf andere Menschen, Schicksale, Lebensumstände oder auch neue Möglichkeiten in der Zukunft profitiert. Neugier oder Offenheit ergänzt die Empathie in einer positiven Weise und schafft eine Haltung, die zum Erhalt eines Austauschs auch über Meinungsverschiedenheiten und Konflikte hinausgehen kann. Persönliches Wachsen ist da möglich, wo wir uns nicht am Ende, sondern am Anfang unserer Entwicklung sehen.

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Literaturquellen:

Liebert, Wolf-Andreas. „Digitale Empathie“. Diskurs der Daten: Qualitative Zugänge zu einem quantitativen Phänomen, edited by Pamela Steen and Frank Liedtke, Berlin, Boston: De Gruyter, 2019, pp. 201-222. https://doi.org/10.1515/9783110609103-011 Rosa, Hartmut (2016): Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung: Berlin: Suhrkamp