Terra Sintropica, ein „Regeneratives Lebensmittel-Netzwerk“ in Portugal

Auf der Suche nach wunderbaren, wertvollen Projekten, die sich mit Klimawandel und Nahrungsmitteln befassen, bin ich auf das Projekt Terra Sintropica in Portugal gestoßen. Ich möchte es Ihnen vorstellen, und ich möchte Sie überzeugen, es ebenfalls mit einer Spende zu fördern.

Ausgetrocknete Böden im Süden Portugals

Wir werden uns an dramatische Klimaveränderungen anpassen müssen. Vorsorge gegen Überflutungen, Hitzeperioden, alles zählt dazu. Aber ein zentraler Punkt ist die zukünftige Versorgung mit Lebensmitteln, verbunden mit dem Schutz des Bodens gegen Erosion. Die wertvollsten Ideen hierzu suchen nach Methoden und nach Pflanzen, die sich dem Klimawandel jeweils unter den regionalen Bedingungen bestmöglich anpassen und auch zusammenwirken. Deshalb ist dies kein Feld der Großindustrie.

Im Süden Portugals entwickelt sich seit mehreren Jahren eine bemerkenswert vielfältige Initiative. Da geht es um die Suche nach klimaangepassten Pflanzen, um sparsames Bewässern, da geht es um ein regionales Lebensmittelnetzwerk, um gemeinschaftliches Lernen, um das Bewahren und Wiederentdecken alten Wissens, und ganz beiläufig um eine riesige Aufgabe: Um die Transformation einer Großgrundbesitzer-Agrarwirtschaft, die in einer klimabedingten Sackgasse steckt, in ein ganz neues Wirtschaften, das die Böden regeneriert und wieder leistungsfähig macht. Da steckt viel Community drin und die Hoffnung, dass wir möglicherweise alle gemeinsam ein gutes Leben gestalten können, aber nicht unter anhaltender Ausbeutung von Natur und Umwelt.

Rekultivierung ist möglich

Regenerative Landwirtschaft ist Zukunftsgestaltung

Wenn Sie es eilig haben und gar nicht weiterlesen möchten, dann klicken Sie gleich hier zum Spendenaufruf. Noch einfacher können Sie unseren Weiterleitungs-Service nutzen. Spenden an den Stiftungsfonds Nachhaltigkeit der Martin Görlitz Stiftung werden ohne Abzüge zu 100% der Initiative Regenerative Pflanzenschule überwiesen.

Spendenkonto: DE66 5705 0120 0000 2642 91
Kontoinhaber: Martin Görlitz Stiftung
Text: „Spende Pflanzenschule Portugal“

Bis 300,- € reicht der Überweisungsträger als Spendenbescheinigung. Für größere Beträge erhalten Sie eine formelle Spendenbescheinigung aus unserem Stiftungsbüro. Wir sind satzungsgemäß berechtigt, Spenden für von uns geförderte Organisationen anzunehmen, weiterzuleiten und hierüber entsprechende Bescheinigungen auszustellen. Sie müssen sich daher nicht um eine Spendenbescheinigung aus Portugal bemühen.

Was ist das große Ziel?

Klima und Boden hängen unmittelbar zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Wo kein Regen fällt, wächst nichts und entsteht Wüste, der Boden wird weiter abgetragen. Wo aber kein gesunder, geschlossener Bodenbewuchs ist, heizt sich der Boden weiter auf, und die Wolken ziehen weiter, einfach gesagt. Es geht also darum, den Boden und seine Milliarden von Lebewesen zu schützen und damit seine Ertragskraft. Und genau das geht nicht gut auf großen Flächen in Monokultur. Ein gesunder Boden ist wie die unberührte Natur: Es gibt vielfältige Pflanzen und auch Kleintiere. Kleinteilig ist besser, weil stabiler.

Der Klimawandel stellt die Landwirtschaft, den Obst- und Gemüseanbau und selbst uns als private Gärtner vor große Herausforderungen. Alles ändert sich: Pflanzen, die bis gestern noch „funktionierten“, gehen am selben Standort plötzlich zugrunde. Auch Organisationen wie Slow Food haben die Wichtigkeit dieses Themas erkannt und das Jahr 2022 zum „Jahr des Bodens“ ausgerufen.

Leider sind viele von uns, vorrangig auch Politiker, biologische Analphabeten. Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass unser Handeln zu einem dramatischen Artensterben führt, an dessen Ende wir stehen, wird auf unglaubliche Weise ignoriert. Deshalb sind Initiativen, die in diesem Kontext auf praktische Bildung und Entwicklung setzen, von wirklich großer Bedeutung, auch wenn sie anfangs nur klein und regional wirken.

Regenerative Landwirtschaft ist eine Antwort.

Mértola im Alentejo (Südportugal) ist besonders durch Klimawandel und Wüstenbildung betroffen. Vor fünf Jahren wurde deshalb der Verein Terra Sintropica gegründet, welcher regenerative Lösungen als Antwort auf lokale Herausforderungen wie Wüstenbildung und Entvölkerung in Südeuropa in die Umsetzung bringt. Der Kern dieser Initiative ist ein gemeinschafts-basierter, regionaler Prozess zum agrarökologischen Wandel. Einbezogen werden Landwirte, Gewerbe, Gemeinden, Schulen und die Dorfgemeinschaft, um in Mértola ein «Labor für die Zukunft» zu realisieren. Denn, die semi-aride Klimazone wächst immer weiter und wir brauchen konkrete Lösungen, wie Menschen in Zukunft unter solchen Bedingungen leben können. Das Ziel ist die Regeneration von Boden, Vegetation und Wasserkreislauf durch agrarökologische Praktiken. Das geht am besten, wenn ein solcher Prozess ganzheitlich eingebettet ist in das Kreieren von kulturellen und wirtschaftlichen Perspektiven für die Menschen in dieser Region. Seit der Gründung hat Terra Sintropica gemeinsam mit vielen Partnern bereits einiges erreicht:

  • Ein lokales Lebensmittelnetzwerk: in Zusammenarbeit mit Landwirten, Schulkantinen, lokalen Geschäften, Restaurants, der Gemeinde und der Dorfgemeinschaft wurden Strukturen geschaffen, welche den regenerativ und biologisch wirtschaftenden Landwirten Absatzsicherheiten schaffen und die Bevölkerung sowie Kantinen über ein Vertragslandschaftssystem Zugang zu den gesunden lokalen Lebensmitteln ermöglicht. Sehen Sie hier ein Video dazu: https://vimeo.com/334978076?embedded=true&source=video_title&owner=98241026
  • Eine Pilot- und Demonstrationsfläche für bewährte Regenerationsverfahren als Agrarökologisches Besucher- und Ausbildungszentrum: einschließlich syntropischer Landwirtschaft. Hierfür hat Terra Sintropica den weltweit anerkannten Pionier für Syntropische Landwirtschaft, Ernst Götsch – ursprünglich Schweizer, aber seit 40 Jahren in Brasilien tätig – und dessen Team dazu gewinnen können, das Wissen und die Erfahrungen in diese Initiative einzubringen und diese zu begleiten. Zudem wurde ein regelmäßig stattfindender Peer-to-Peer-Austausch zu den regenerativen Praktiken zwischen den Landwirten regional und auch überregional im Austausch mit Andalusien aufgebaut.
  • Für die Regeneration großer Flächen braucht es viele „regenerative“ Landwirte, gar nicht einfach in einer von Abwanderung betroffenen Region am Rande Europas. Terra Sintropica hat daher gemeinsam mit der Gemeinde, der lokalen Berufsschule, Life in Sintropy und anderen Organisationen ein Schulungs- und Ansiedlungs- Programm für neue regenerative Landwirte in Mértola aufgebaut: Nach einer einjährigen praktischen und theoretischen Weiterbildung in regenerativer Landwirtschaft erhalten die neuen Landwirte Zugang zu Land sowie Unterstützung für die Ansiedlung in Mértola, fachkundliche Begleitung für die regenerative Arbeit und den Boden- und Vegetationsaufbau und schließlich Unterstützung beim Aufbau der Wirtschaftlichkeit und Vermarktung der Bio-Lebensmittel.
  • Terra Sintropica hat mit anderen Partnern die Schulgärten aller fünf Grundschulen in Mértola in syntropische Flächen umgewandelt. Jedes Kind im Bezirk Mértola lernt jeweils an einem Nachmittag pro Woche syntropische Landwirtschaft, Bodenregeneration, Biodiversität und bewässerungsarme Möglichkeiten mit geeigneten Pflanzenkombinationen Lebensmittel zu produzieren. Zudem wurde die örtliche Berufsschule in die Initiative einbezogen und bietet nun zunehmend Kurse, Aus- und Weiterbildung in den Bereichen Biodiversität, Agrarökologie von Feld bis Teller an.

Drumherum Dürre, aber diese Setzlinge wachsen in einer guten Umgebung.

Die Regenerative Pflanzenschule als Grundlage

Während der Arbeit stellte sich heraus, dass der Zugang zu Saatgut, das an das semi-aride Klima vor Ort angepasst ist, eine große Herausforderung darstellt, deren Bewältigung ein Schlüsselfaktor für den Erfolg sein wird. Ein besserer Zugang zu lokal angepasstem Saatgut sowie Pflanzenarten und -Sorten wird als Katalysator für den Erfolg der gesamten Regenerationsinitiative wirken und mehr Bauern in die Lage versetzen, Vegetation aufzubauen und den Boden zu regenerieren.

Um die Regenerations-Initiative in Mértola und all die Landwirte mit klimaangepasstem Saatgut und Setzlingen zu versorgen, hat Terra Sintropica nun eine Bio-Pflanzenschule ins Leben gerufen für Saatgutsouveränität, Resilienz und Biodiversität in der von Wüstenbildung betroffenen Region.

Dieses Projekt, die regenerative Pflanzenschule «Horto of Forgotten Varieties of Al Andaluz», ist ein wesentlicher Bestandteil des gesamten Regenerationsprozesses, der es den Landwirten ermöglichen wird, auf agroökologische Praktiken umzustellen. Der Zugang zu klimaangepasstem Saat- und Pflanzgut ist für alle Landwirte eine Voraussetzung für die Regeneration degradierter Flächen. Ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit sind Arten und Sorten, die widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Hitze sind.

Jede Spende zählt

Dieses Pflanzenschulprojekt von Terra Sintropica braucht finanzielle Unterstützung. Auf der Crowdfunding Plattform Wemakeit wurde dazu eine Spendensammlung gestartet. Damit der Betrag von 50’000 CHF für das Crowdfunding zustande kommt, braucht es jeden, ob kleiner oder grösserer Förderer. Um den Prozess zu erleichtern und auf Wunsch einen deutschen Spendenbeleg zu erhalten, können Sie unseren Weiterleitungs-Service nutzen. Spenden an den Stiftungsfonds Nachhaltigkeit der Martin Görlitz Stiftung werden ohne Abzüge zu 100% der Initiative Regenerative Pflanzenschule überwiesen.

Terra Sintropica hat dieses Baumschul- und Saatgutprojekt bereits im Jahr 2020 gestartet und zeigt bereits wunderbare Erfolge. In einer ersten Phase wurden die erforderliche Forschung durchgeführt sowie Produktionsinfrastruktur und -kapazitäten aufgebaut. Jetzt, in der zweiten Phase, wird die Feldforschung vertieft und die Produktion sowohl in Bezug auf die Vielfalt als auch auf die Menge ausgeweitet, um ein effektives langfristiges Scaling-up zu ermöglichen. Es geht also darum, über die Versuchsphase hinaus den echten Praxistest zu bestehen.

Obwohl es Fortschritte bei der Entwicklung nachhaltiger Vertriebs- und Verkaufskapazitäten für Saat- und Pflanzgut gibt, wird dies erst in den nächsten Phasen kommerziell möglich sein, wenn das Know-how und die Kapazitäten verfügbar sind, um größere Mengen für den Bedarf der gesamten Region zu produzieren.

Anmischen von Pflanzsubstrat

Regenerative Landwirtschaft bedeutet, Boden wieder „gesund machen“.

Die Crowdfunding-Kampagne besteht aus zwei Finanzierungsstufen. Die erste beträgt CHF 50’000, diese Tranche läuft und wir hoffen auf Ihre Spende – es sind noch einige Tage Laufzeit.

Wenn dieser Teil erfolgreich ist, gibt es eine Möglichkeit, über den gleichen Weg insgesamt CHF 132’600 sammeln zu können. Hinzu kommen für 2022/23 bereits rund 67’000 CHF an zugesagten Unterstützungen und Sachleistungen. Das Gesamtbudget beträgt also 200.000 CHF. (Die Rechnung in Schweizer Franken kommt daher, dass die Spendenplattform we-make-it in Zürich sitzt.)

Das Crowdfunding Minimum (die erste Schwelle) von 50’000 CHF wird es Terra Sintropica ermöglichen, bis weit ins Jahr 2022 hinein zu arbeiten. Die Mittel werden für die Verbesserung der Infrastruktur (10’000 CHF), für die Gehälter des Kernteams von Saatgut- und Pflanzenspezialisten (30’000 CHF) sowie für Ausbildung, Schulung und Kommunikation (10’000 CHF) verwendet.

Die Martin Görlitz Stiftung hat dieses Projekt mit einem angemessenen Betrag unterstützt. Und: Wir werden im Rahmen unserer Stiftungsarbeit Terra Sintropica weiter begleiten, denn dies ist kein Einmal-Projekt, was morgen fertig ist.

Ich bitte Sie um Ihre Spende für dieses herausragende Vorhaben.

Dieses wichtige Projekt muss erfolgreich arbeiten können. Die regenerative Pflanzenschule von Terra Sintropica ist ein Samenkorn im mehrfachen Sinn: Ausgangspunkt für angepasste Pflanzen für eine Modellregion Mértola und für den Impuls, dass die Landwirte auf regenerative Landwirtschaft umstellen, Böden und Vegetation wieder aufbauen und wieder gesunde Bio-Lebensmittel für die Bevölkerung produzieren.

Terra Sintropica zeigt, dass der ländliche Süden Europas ein gesunder Lebensraum mit Perspektiven für Menschen sein oder wieder werden kann. Für die dortigen Erkenntnisse und Erfahrungen werden wir in einiger Zukunft auch in Deutschland dankbar sein.

Ich bitte Sie also um Ihre Spende. Für Ihre Kinder, aber auch für sich selbst.

Autor: Martin Görlitz

P.S.: Für Rückfragen stehen Ihnen die Initiator*innen des Projektes gerne zur Verfügung, sowie ich ebenfalls persönlich.

Hier finden Sie das Projekt > Breite: 37°37’57″N, Länge:   7°39’23″W