Workshops und ein Diskussionsabend

Endlich wieder eine Präsenzveranstaltung im Dreikönigenhaus, zumindest mit einem kleinen Publikum. Der Abend des 30. Juni war geprägt von einer zentralen zukunftsrelevanten Frage: Wie wirtschaften wir in Zukunft – und wie funktioniert Wirtschaften mit globaler Verantwortung?

Nach vier virtuellen Workshops, ausgerichtet durch ISSO und Engagement Global, gab es am Abend einen Vortrag und Podiumsdiskussion im Dreikönigenhaus.

Die gute Nachricht: Es rückt eine junge Generation kritischer Konsumentinnen und Konsumenten nach, die ein Gefühl für Verantwortung nicht zuletzt bedingt durch die Corona-Pandemie entwickelt, aber auch für neue Chancen. Produzenten, Unternehmer*innen und Dienstleistende müssen sich auf kritische Fragen und eine Diskussion rund um Lieferketten und Menschenrechte einstellen. Es wird mehr Transparenz gefordert, die sich in Zeiten der Digitalisierung auch viel leichter herstellen lässt. Erste Gesetze sind in Arbeit oder im Zulauf, Handelswege, Lieferketten, Produktionsstätten und Arbeitsbedingungen sollen weltweit fairer und sozialverträglicher werden.

Wirtschaft im Umbruch. Das stellt die Frage an wirtschaftsrelevante Akteure und letztlich an jeden von uns:  Sind wir noch Teil des Problems oder schon Teil der Lösung?

Der Vortragende des Abends, Professor Dr. Christian Berg aus der Technischen Hochschule Clausthal und Buchautor von „Ist Nachhaltigkeit utopisch?“, nimmt das Thema Nachhaltigkeit sehr ernst und weist darauf hin, dass sich Nachhaltigkeit in einer global vernetzten Welt jedenfalls nur global anpacken lässt. An Insellösungen für einige wenige Länder glaubt der ehemalige Berater der Bundesregierung nicht. In seinem Vortrag motiviert er alle, nicht länger die Augen zu verschließen, sondern konsequent nach neuen Ansätzen und anderen Lösungen zu suchen.

Die Diskussionsrunde aus Prof. Nadine Kammerlander von der WHU in Vallendar, wo Manager*innen und Entrepreneurs der Zukunft ausgebildet werden, sieht vor allem änderungsbereite Familienunternehmen, die sich an Werten orientieren. Für diese ist die Übernahme von Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden schon immer eine wichtige Fragestellung, und von da aus ist der Schritt zu einem Verantwortungsbewußtsein auch für die externen Geschäftspartner entlang der Lieferkette weniger weit als beim Großkonzern. Matthias Brandt, Business-Scout for Development der ARGE, berichtet von den Notwendigkeiten, Projekte und Unternehmungen im Globalen Süden zu fördern und zum Erfolg zu begleiten, wenn ein gutes Businesskonzept vorliegt und wenn eine unternehmerisch denkende Person die Verantwortung vor Ort übernimmt. Er plädiert für eine Förderung des kleineren Unternehmertums anstatt von Megaprojekten, die nach Förderende in sich zusammenfallen. Die Menschen brauchen Arbeit und Auskommen in ihren Heimatländern, damit sie nicht als Flüchtlinge auswandern müssen, um sich und ihre Familien vor Armut und Hunger zu retten. Welche Bundesförderungen zur Verfügung stehen, konnte auch Erik Wessels vom Helpdesk beisteuern, der mit einem Beraternetzwerk mittelständische Unternehmen ebenso wie Konzerne berät, die globalen Unternehmungen betreiben und zukünftig auch die Produktionswege transparenter und fairer mitgestalten wollen.

Die Diskutierenden waren sich einig: Die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen, die bis zum Jahr 2030 umgesetzt werden sollen, haben insgesamt mehr positive als negative Auswirkungen auf engagierte Wirtschaftsakteure, was Impulse zur fairen Gestaltung der Lieferketten angeht. Die kommenden EU-Richtlinien und Gesetze geben den Rahmen, müssen von der Wirtschaft letztlich aber auch inhaltlich angenommen werden. So wird es auch weiterhin schwarze Schafe geben, die das eigene Interesse oder Shareholder-Verpflichtungen über globale Fragen nach Sicherheit, Gerechtigkeit und letztlich auch Frieden stellen.

In jedem Fall sind die Bürgerinnen und Bürger selbst gefordert, durch ihr eigenes bewusstes Leben und durch bewußten, die „richtigen“ Werte wählenden Konsum mitentscheiden, wer in Zukunft die Gewinner oder Verlierer sein werden. Längst nehmen wir als Konsumenten Einfluss auf den Warenfluss oder die Reputation eines Unternehmens, unterstützt durch Social Media und andere Plattformen.

Nehmen Sie sich eine Stunde Zeit und verfolgen Sie den Vortrag und die anschließende Diskussion, die von der SWR Moderatorin Ulrike Nehrbaß professionell geführt wurde. Bringen Sie sich auf den neuesten Stand in Sachen „Wirtschaften mit globaler Verantwortung“. Ein Tipp:

Die Aufzeichnung kann auch einfach als Podcast angehört werden.

Mehr:

Der Vortragsabend mit Engagement Global

Der ISSO Kanal Studiyoo auf Youtube

Veranstalter Engagement Global