Wenn wir die Corona-Pandemie, im Sinne des deutsch-amerikanischen Philosophen Hans Jonas (1903-1993), als ein „Wetterleuchten der Zukunft“ ansehen, dann sollten wir unser Augenmerk auf notwendige gesellschaftsrelevante Veränderungen legen.

Dazu gehört auch ein Blick in die gängige Pflegepraxis und noch wichtiger, zukünftige Bedarfen in der stationären und häuslichen Pflege zu erkennen. Haben wir jetzt schon, was wir in Zukunft brauchen werden oder wie lassen sich die wertvollen Erfahrungen aus der Pandemie in die Zukunftsgestaltung integrieren?
Fragen der sozialen Nachhaltigkeit, wie Isolation und Einsamkeit können nicht mehr länger tabuisiert werden. Die Pflegewissenschaften engagiert sich schon lange dafür stärker wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden. Wann, wenn nicht jetzt, ist dafür der richtige Zeitpunkt.
In diesem Zusammenhang erscheint es besonders wichtig die „Corona-Pandemie“ aus der Perspektive verschiedener Disziplinen zu betrachten. Denn eine „Lösung“ kann letztlich nur gesellschaftlich verantwortet werden und kann nicht aus der Logik einer einzelnen Disziplin, z. B. der Medizin, begründet werden. Die Herausgeber zeigen auf, dass erst ein Blick über den Tellerrand zu wichtigen und wesentlichen Entscheidungen für die Zukunft führen kann.
Was entstanden ist aus den „Corona-Impulsen“ während des ersten Lockdowns in Deutschland im März 2020, hat sich zu einem Zeitzeugnis „nach dem ersten Hype“ – ein Jahr nach Beginn – entwickelt: Aus multiperspektivischer Sicht (philosophischer, soziologischer, ethnologischer, theologischer und pflegewissenschaftlicher) wird ein Blick auf die Corona-Pandemie und auf ihre langfristigen Folgen und die sich daraus ergebenden Notwendigkeiten geworfen.
In unterschiedlichen Beiträgen steht eine kritische Auseinandersetzung mit bestehenden Deutungen, Reaktionen und der Versorgungsagenda im Hinblick auf die Corona-Krise im Zentrum. Neben grundlegenden und gesellschaftsbezogenen Reflexionen und der damit verbundenen Erweiterung der Blickrichtung stehen konkrete Ansätze für die Pflegepraxis auf Grundlage empirischer Erfahrungen im Vordergrund. Abgerundet wird dieses Vorgehen durch studentische Impulse auf Basis wissenschaftlich relevanter Literatur, persönlicher Erfahrungen und ihrer pflegewissenschaftlichen Erkenntnisse.

Die Autoren:

Verena Breitbach, M. A., ist Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) und ausgebildete Journalistin (Springer Science & Business Media). Sie studierte Bildungswissenschaften, Soziologie und Neuere deutsche Literatur an der Universität Bonn und der Sorbonne Paris-IV. Zuvor war sie als freie Journalistin für verschiedene Medienhäuser im In- und französischen Ausland tätig.

Univ.-Prof. Dr. Hermann Brandenburg ist Professor für Gerontologische Pflege an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) und ausgebildeter Altenpfleger. Er studierte Sozialwissenschaften an der Universität Bochum, Gerontologie an der Universität Heidelberg sowie Neuere Deutsche Literaturwissenschaft/Philosophie an der Fern-Universität Hagen. Er war 5 Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Gerontologie in Heidelberg, 13 Jahre Professor an der KH Freiburg und ist seit 2006 in Vallendar tätig.