Selbst wenn wir so gut wie möglich unsere regionalen Geschäfte unterstützen und deren Lieferservice in Anspruch nehmen, Hand aufs Herz: Wer hat während der Corona-Pandemie nichts im Online-Handel bestellt? Die Digitalisierung und der Online-Handel sind die Gewinner der Stunde, das lässt sich weder verschweigen noch leugnen. Und ob wir es wollen oder nicht, unsere Wirtschaft wird sich dadurch sichtbar verändern. Wollen wir hoffen, dass wir demnächst nicht überall auf Leerstand und Geisterstädte treffen, dann ist auch die Stadtentwicklung aufs Neue gefordert.

Rechtzeitig zum Weltwirtschaftsgipfel 2021, der diesmal nicht wie gewohnt in Davos sondern virtuell stattfindet, legt Oxfam als weltweit tätige Nothilfe und Entwicklungsagentur den Finger in die Wunde und zeigt in ihrer aktuellen Studie auf, dass die Corona-Pandemie nicht alle Menschen und Länder gleichermaßen trifft, „Es könnte mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis sich die Ärmsten von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erholt haben“.

Profiteure in der Krise

Dem Oxfam-Bericht zufolge ist das Vermögen der reichsten Menschen der Welt trotz der Pandemie auf 1,12 Billionen US-Dollar gestiegen, ein Zuwachs um fast eine halbe Billion US-Dollar. Folgt man den Autoren der Studie, wäre dieser Gewinn ausreichend, um die gesamte Weltbevölkerung gegen Covid-19 zu impfen und sicherzustellen, dass niemand durch die Pandemie verarme würde.

Die zehn reichsten Deutschen verfügten laut Forbes Ende 2020 über ein Gesamtvermögen von rund 242 Milliarden US-Dollar, und auch sie konnten ihre Gewinne steigern trotz Covid-19 und wirtschaftlichem Lockdown. Sitzen bei der Pandemie also wirklich alle in einem Boot? Die Spaltung und die Kluft zwischen Arm und Reich wird sich vergrößern und die Lage für ein friedvolles Miteinander wohl verschärfen. Die westliche Welt ist aufgefordert, sich mit dieser Situation angemessen zu beschäftigen.

Das World Economic Forum (WEF) weist auf die wachsende soziale Ungleichheit hin und erkennt dabei auch die Spaltung durch die Digitalisierung. Es gibt immer noch einen großen Anteil von Menschen in der Welt, die keinen Zugang zur digitalen Welt haben. Oxfam meint, es drohe eine Verschärfung der wirtschaftlichen Ungleichheit in fast allen Ländern gleichzeitig.

Frauen könnten von der Krise besonders stark betroffen sein, denn sie stellen ihre Arbeitskraft sehr häufig im Pflege- und Gesundheitswesen oder in sozialen Organisationen zur Verfügung. Auch Teilzeitstellen in der Gastronomie oder im Einzelhandel werden gerne von Müttern genutzt, um neben der Betreuung von Kindern ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Als mangelnde Flexibilität wird ihnen dabei gerne vorgeworfen, dass sie nicht bereit sind, abends, nachts oder an den Wochenenden zu arbeiten. Dann wenn die Betreuung der Kinder nicht öffentlich übernommen werden kann, ist dies vor allem für Alleinerziehende eine Unmöglichkeit. Auch die Diskussion um den Stellenabbau bei Einzelhändlern wie H&M stimmt nachdenklich, wenn hier vor allem Stellen von Frauen abgebaut werden sollen, die ja wahrscheinlich in den vergangenen Jahren die wichtigsten Kundinnen waren.

Mit Blick auf ein Ende der Pandemie zeigen sich viele Herausforderungen und gesellschaftsrelevante Fragen, denen wir uns in der Vergangenheit nicht stellen wollten. Packen wir die nun an, oder machen wir schnell wieder die Augen zu, wenn die Situation es erlaubt, und tun so, als sei nichts gewesen?