Am 18.05.2021 findet von 16-20 Uhr ein Fachtag mit Vorträgen, Podiumsdiskussion und Workshops  – „Hannah Arendt – Denken ohne Geländer“ im Gewölbesaal des alten Kaufhauses am Florinsmarkt statt.

Streitbare Denkerin, klug, jüdisch und kompromisslos in ihrer An- und Aussprache, wenn es um die Unterscheidung von Fakten und Meinungen ging. Hannah Arendt floh 1933 aus Nazi-Deutschland nach Paris und emigrierte von dort in die USA. Sie selbst bezeichnete sich als Flüchtling, die staatenlos auf ihre Einbürgerung als US-Amerikanerin hoffte. Hannah Arendts Arbeiten über die Totale Herrschaft und die Banalität des Bösen stehen bis heute maßgeblich für eine kritische Auseinandersetzung mit den politischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts.

„Ich will verstehen“ beschreibt ihren Antrieb und verweist auf die philosophische Schule von Platon und Sokrates. Sie selbst verstand sich als politische Theoretikerin und scheute nicht den öffentlichen Auftritt. Das Interview von Günther Gaus „Zur Person“ ist legendär und zeigte bereits 1964, dass sich Hannah Arendt als philosophisch und politisch versierte Gesprächspartnerin in einer Männergesellschaft nicht zu verstecken brauchte. Eine Frau, die bis in ihre späten Jahre keine direkte Beziehung zum Feminismus aufgebaut hatte, die in ihrem Selbstverständnis des „viva activa“, des aktiven Lebens, eine solche Kategorisierung nicht benötigte.

Bis heute ist Hannah Arendt gleichermaßen populär und umstritten. Ihr Anspruch eines „Denkens ohne Geländer“ strapazierte langjährige Freundschaften und sorgte damals wie heute für Kritik. Ihre Betrachtungen zu Imperialismus und Rassismus haben nie an Aktualität verloren. Nach der Wahl von US-Präsident Donald Trump im Jahr 2017 schaffte es ihr Buch „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (The Origins of Totalitarianism)“ aus dem Jahr 1948 auf die Bestsellerliste in den USA.

Die Veranstaltung am 18.05.2021 stellt die Frau und Jüdin sowie das Denken Hannah Arendts in den Vordergrund und beleuchtet ihr philosophisches und politisches Vermächtnis auf Ansätze, die für die Gestaltung einer nachhaltig demokratischen Gesellschaft wichtig sind.

Nach verschiedenen Impulsvorträgen, bei denen politische, literarische und philosophische Texte, Gedanken und Gespräch Hannah Arendts aufgegriffen werden, widmet sich der Hauptvortrag der Auseinandersetzung mit der demokratischen Verfassung und dem Rechtsstaat. anschließend, diskutieren wir mit unterschiedlichen Hochschuldozent*innen, Studierenden und politisch interessierten Bürgerinnen und Bürgern.

Diskutieren Sie mit: live oder online. Anmeldung unter info@isso.de.

Hier finden Sie das aktuelle Poster und das vorläufige Programm. 

Impulsvorträge

  • Hannah Arendt und Benno von Wiese

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    Flüchtende und Mitläufer – Hannah Arendt und Benno von Wiese Benno von Wiese, 1903 in Köln geboren, lernt Hannah Arendt im Studium in Heidelberg kennen, wo sie Freunde werden. 1933 tritt er in die NSDAP ein, Arendt verlässt nach einer Inhaftierung Deutschland, weil sie hier nicht mehr arbeiten kann. Während Hannah Arendt zur Staatenlosen wird, startet Benno von Wiese während des Nationalsozialismus seine Karriere und wird zu einem äußerst erfolgreichen Germanistikprofessor. Hannah Arendt gelingt es, mit Glück zu überleben; später wird auch sie als Autorin berühmt. Ein Briefkontakt der beiden in den 60er Jahren zeigt, wie wenig der Mitläufer vom Schicksal der Flüchtenden und der Juden weiß, während Arendts Überlegungen zu den Menschenrechten der Verfolgten noch heute relevant sind.
  • Hannah Arendt und Kolonialismus/Imperialismus
  • Hannah Arendt und die alte / neue LINKE
  • Hannah Arendt und Bloch zu Utopien
  • Hannah Arendt SELBST

 

Der Fachtag Hannah Arendt entsteht in Zusammenarbeit mit PD Dr. Werner Moskopp, Universität Koblenz-Landau und Peter Erwin Jansen, Hochschule Koblenz. Gefördert wird die Veranstaltung durch das Bundesprogramm Demokratie Leben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das ISSO Institut der Martin-Görlitz-Stiftung.

„Die Ausstellung „Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert“ ermöglicht es, einem subjektiven Blick auf das 20. Jahrhundert zu folgen und ein Leben – und Werk – kennenzulernen, in dem sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts spiegelt: Totalitarismus, Antisemitismus, die Lage von Flüchtlingen, der Eichmann-Prozess, der Zionismus, das politische System und die Rassentrennung in den USA, Studentenproteste und Feminismus. Zu all diesen Themen äußerte Arendt dezidierte Meinungen und Urteile, die noch heute voller Sprengkraft sind. Angesichts einer wachsenden Pluralisierung unserer Lebenswelten, eines beschleunigten Wertewandels und eines darauf reagierenden Bedürfnisses nach populistischen Lösungen nimmt die Ausstellung die Ausbildung der Urteilskraft in den Blick.“

 

Weitere Informationen zur Ausstellung in Berlin Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert und jetzt aktuell die bis März 2021 laufende Ausstellung in der Kunsthalle Bonn können Sie der Internetseite des DHM entnehmen.

 

Die 2020 im Deutschen Historischen Museum Berlin vielbesuchte Ausstellung Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert:  ist bis März 2021 in der Kunsthalle Bonn zusehen