Dr. Marion Steinicke. Bild: Uni-Blog Uni Koblenz-Landau; Foto: Marius Adam.

„Was macht ein solches Projekt wie Esskulturen aus Ihrer Sicht förderungswürdig?“
Das Projekt „Esskulturen. Objekte, Praktiken, Semantiken“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in der Förderlinie „Sprache der Objekte“ gefördert. Dieses Förderprogramm beabsichtigt, die Zusammenarbeit zwischen Museen und universitären Einrichtungen zu stärken. Unser Verbundprojekt besteht insofern aus drei institutionellen Partnern: dem Campus Koblenz (beteiligt sind die Fächer Anglistik/Amerikanistik, Ethnologie, Evangelische Theologie), dem Institut für Soziologie der Universität Bonn und dem Landesmuseum Koblenz. Im Fokus stehen Objekte der bürgerlichen Tisch- und Esskultur des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Sammlung, die uns beschäftigt, wurde in Antwerpen von Alexandre Poignard, dem Sohn eines belgischen Pralinenherstellers, zusammengestellt und wird heute vom Landesmuseum Koblenz betreut. Die Auseinandersetzung mit Objekten schärft die Auseinandersetzung mit Fragen zu gesellschaftlichen Ordnungen, insbesondere zu sozialen Hierarchien und geschlechtlichen Unterschieden. Anhand eines heute kurios anmutenden Objekts wie der  sogenannten „Schnurrbarttasse“ (Abb.), die zum Schutz der wilhelminischen Zwirbelbärte vor Kaffee- oder Milchschaum diente, stellt sich ein ganzes Set an Fragen zur konkreten Nutzung des Gegenstands, zur räumlichen Aufteilung der Geschlechter beim Essen und Trinken, zur Bedienung etc. Diese Fragen wollen wir thematisch weiterdenken und auch in aktuelle Kontexte übertragen.

„Weshalb ist die Zusammenarbeit mit ISSO für die Universität wichtig?“
Das ISSO arbeitet seit Jahren erfolgreich an der Schnittstelle von Wissenschaft und Gesellschaft. Es vermittelt wissenschaftliche Inhalte und dient interessierten Bürger*innen als Plattform zum Austausch über Fragen, wie die Zukunft gestaltet werden kann. Dabei sind zahlreiche Formate entstanden, die eine konstruktive Diskussion und aktive Einbeziehung der Teilnehmer*innen ermöglichen. Das Thema „Essen“ betrifft eine Vitalfunktion und beschäftigt die Menschen zu einem nicht unbeträchtlichen Teil ihres Lebens. Es umfasst Bereiche wie Gesundheit, globale Verantwortung und Nachhaltigkeit, aber natürlich auch Vermarktung und – last but not least – Genuss. Es gehört zu den besonderen Anliegen der Universität Koblenz-Landau, die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit einer breiteren Öffentlichkeit zu kommunizieren. Für das Verbundprojekt „Esskulturen. Objekte, Praktiken, Semantiken“ bietet das ISSO ein ideales Forum.

„Was dürfen Interessierte bei den Afterwork-Veranstaltungen erwarten?“
Die Afterwork-Veranstaltungen werden von den jeweiligen Referent*innen in einer Form gestaltet, die sie ihrer Thematik angemessen empfinden. Das Spektrum kann vom Vortrag bis zur partizipativen Veranstaltung reichen, die von Teilnehmer*innen aktiv mitgestaltet wird. Wichtig war uns bei der Auswahl, dass die Themen den Schwerpunkten des ISSO entsprechen und anschauliche Beispiele wie z.B. literarische Texte oder mediale Darstellungen einbezogen werden.

Dr. Marion Steinicke ist unter anderem wissenschaftliche Koordinatorin des vom BMBF geförderten Verbundprojekts „Esskulturen. Objekte,
Praktiken, Semantiken“ (Förderlinie: Sprache der Objekte) an der Uni Koblenz-Landau. Mehr zu ihrer Person finden Sie auf der Internetseite der Uni Koblenz.