Wie relevant und notwendig Insekten für die Beseitigung von Kadaver oder Kot sind und in der Natur als Gesundheitspolizisten fungieren, das haben wir nicht wirklich gegenwärtig. Insekten sind oft lästig und gehören nicht für alle Menschen zu den unbedingt schützenswerten Lebewesen. Sie werden als Opfer betrachtet und schnell einmal gejagt, wenn sie sich in den Lebensraum der Menschen vorgewagt haben. Sie gelten als ideales Fraßgut für Kleintiere und Vögel. Ihre eigene Bedeutung ist allerdings vielfältiger und wurde eindrucksvoll von Andreas Segerer, einem promovierten Biologen und renommierten Schmetterlingsforscher, aufgezeigt. Der Auftakt einer Veranstaltungsreihe „Mehr als nur Grün“ die der Kreis Mayen-Koblenz in Kooperation mit der Stadt Koblenz ins Leben gerufen hat, wendet sich an alle Interessierte und Zuständige, die sich mit dem Thema Klimawandel und ökologische Nachhaltigkeit auseinandersetzen.

Auch für Mitarbeiter der Stadt und des Grünflächenamtes ergaben sich neue Überlegungen. Mancher trauert vielleicht noch dem 70er Jahre Bild einer gepflegten Gartenbeet-Anlage nach, wo ein akkurat geschnittener Rasen als ein Zeichen für Ordnung und Wohlstand im kleinbürgerlichen Milieu galt. Doch akkurat ist out, ebenso wie der Gartenzwerg längst nicht mehr das typische Symbol für den Zeitgeist darstellt. Und nun können wir diesen Sinneswechsel sogar sachlich begründen, wenn immer mehr Blumenwiesen ins Stadtbild einziehen. Blumenwiesen sichern nicht nur den Bienen ihr Überleben in der Stadt, sie haben einen größeren Sinn, sie sind kleine farbenfrohe Oasen zum Erhalt der Vielfalt. Spätestens bei diesem Vortrag wird jedem klar: Es sind diese kreativen Möglichkeiten, Artenvielfalt zu sichern, zu denen jeder Einzelne persönlich beitragen kann.  Dieser kleine Anfang ist ein gutes Zeichen, er benötigt allerdings weitere Maßnahmen, wenn wir eine Kehrtwende erreichen wollen: Eine radikale Agrarwende und das Zurückfahren von Flächenversiegelung macht das dringende Eingreifen der Politik erforderlich.

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