Am 29.09.2020 findet von 16-20 Uhr ein Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion – „Hannah Arendt – Denken ohne Geländer“ im Gewölbesaal des alten Kaufhauses am Florinsmarkt statt.

Streitbare Denkerin, klug, jüdisch und kompromisslos in ihrer An- und Aussprache, wenn es um die Unterscheidung von Fakten und Meinungen ging. Hannah Arendt floh 1933 aus Nazi-Deutschland nach Paris und emigrierte von dort in die USA. Sie selbst bezeichnete sich als Flüchtling, die staatenlos auf ihre Einbürgerung als US-Amerikanerin hoffte. Hannah Arendts Arbeiten über die Totale Herrschaft und die Banalität des Bösen stehen bis heute maßgeblich für eine kritische Auseinandersetzung mit den politischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts. 

„Ich will verstehen“ beschreibt ihren Antrieb und verweist auf die philosophische Schule von Platon und Sokrates. Sie selbst verstand sich als politische Theoretikerin und scheute nicht den öffentlichen Auftritt. Das Interview von Günther Gaus „Zur Person“ ist legendär und zeigte bereits 1964, dass sich Hannah Arendt als philosophisch und politisch versierte Gesprächspartnerin in einer Männergesellschaft nicht zu verstecken brauchte. Eine Frau, die bis in ihre späten Jahre keine direkte Beziehung zum Feminismus aufgebaut hatte, die in ihrem Selbstverständnis des „viva activa“, des aktiven Lebens, eine solche Kategorisierung nicht benötigte. 

Bis heute ist Hannah Arendt gleichermaßen populär und umstritten. Ihr Anspruch eines „Denkens ohne Geländer“ strapazierte langjährige Freundschaften und sorgte damals wie heute für Kritik. Ihre Betrachtungen zu Imperialismus und Rassismus sind durchaus wieder aktuell. Nach der Wahl von US-Präsident Donald Trump im Jahr 2017 schaffte es ihr Buch „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (The Origins of Totalitarianism)“ aus dem Jahr 1948 auf die Bestsellerliste in den USA.  

Die Veranstaltung am 29.09.2020 stellt die Person und das Denken Hannah Arendts in den Vordergrund und beleuchtet ihr philosophisches und politisches Vermächtnis auf Ansätze, die für die Gestaltung einer nachhaltig demokratischen Gesellschaft wichtig sind.

Nach einem einleitenden Vortrag durch die Hannah-Arendt-Expertin Prof. Dr. Hagengruber, Universität Paderborn, diskutieren wir mit unterschiedlichen Hochschuldozent*innen wie Prof. Dr. Peter Rödler, Universität Koblenz-Landau und M.A. Peter-Erwin Jansen, Hochschule Koblenz, Studierenden und politisch interessierten Bürgerinnen und Bürgern.

Diskutieren Sie mit: live oder online. Anmeldung unter info@isso.de. Den vollständigen Flyer zum Download im pdf-Format gibt es hier.

Vortrag und Podiumsdiskussion entstehen in Zusammenarbeit mit PD Dr. Werner Moskopp, Universität Koblenz-Landau und finden im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie Leben – Koblenzer Wochen der Demokratie statt. Gefördert wird die Veranstaltung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Im Deutschen Historischen Museum Berlin findet noch bis zum 18. Oktober 2020 folgende Ausstellung statt: Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert: 

„Die Ausstellung „Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert“ ermöglicht es, einem subjektiven Blick auf das 20. Jahrhundert zu folgen und ein Leben – und Werk – kennenzulernen, in dem sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts spiegelt: Totalitarismus, Antisemitismus, die Lage von Flüchtlingen, der Eichmann-Prozess, der Zionismus, das politische System und die Rassentrennung in den USA, Studentenproteste und Feminismus. Zu all diesen Themen äußerte Arendt dezidierte Meinungen und Urteile, die noch heute voller Sprengkraft sind. Angesichts einer wachsenden Pluralisierung unserer Lebenswelten, eines beschleunigten Wertewandels und eines darauf reagierenden Bedürfnisses nach populistischen Lösungen nimmt die Ausstellung die Ausbildung der Urteilskraft in den Blick.“

Weitere Informationen zur Ausstellung, zum Deutschen Historischen Museum und zu den Öffnungszeiten können Sie der Internetseite des DHM entnehmen.